Herborner Tageblatt

Herborner Tageblatt 23.09.2004, von Klaus Kordesch
Herborn/Dillenburg (klk), von Klaus Kordesch
Herborn, 21.02.2007 (klk): von Klaus Kordesch

Herborner Tageblatt 23.09.2004, von Klaus Kordesch

„Uns kennt nur, wer uns braucht“, sagt Dirk Crone, und es klingt ein wenig resigniert. Seit nunmehr drei Jahr- zehnten wirkt sie weitgehend im Ver- borgenen und unbeachtet von der Öffentlichkeit, die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Evangelischen Dekanats Herborn. Doch unabhängig davon gibt es im Jubi- läumsjahr für das engagierte Team kaum einen Grund zum Feiern: 40 000 Euro fehlen nach der Streichung der Zuschüsse durch die hessische Landesregierung für die Arbeit; eine Summe, die auch die 1997 zur ideellen und finanziellen Unter- stützung der Erziehungsberatungsstelle gegründete Stiftung „FAMILIE LEBEN“ nicht auf Dauer zuschießen kann: Spätestens 2007 ist die Einrichtung von der Schließung bedroht. Dabei steigt der Beratungsbedarf und die Zahl der Hilfesuchenden kontinuierlich an.

„Zu den rund 100 aus dem Vorjahr übernommenen Fällen kommen im Schnitt rund 260 Neuanmeldungen pro Jahr“, rechnet Dirk Crone zusammen. Unter den Kindern werden etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen von den Eltern vorgestellt, die meisten von ihnen sind zwischen sechs und zwölf Jahren alt. Doch immerhin 60 Prozent der Klienten sind so genannte „Selbstmelder“ – die übrigen 40 Prozent sind für Crone Indiz dafür, dass die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten oder Pfarrern gut funktioniert: Über drei Viertel der vorgebrachten Problemstellungen könnten mit bis zu 15 Sitzungen gelöst werden, sagt Crone. Die Beratung ist vertraulich und kostenlos für die Hilfesuchenden, die keine Schuldzuweisungen erwarten müssen, sondern auf individuelle Lösungshilfen für ihre jeweiligen Probleme hoffen können. Jeweils etwa ein Drittel der Beratungen bezeichnet Crone als „voll erfolgreich, zufriedenstellend oder für die Füße“. Gerade wenn die Eltern vom Jugendamt geschickt werden, hält sich die Motivation in Grenzen. „Die haben dann das Gefühl, sie werden vorgeführt“, verdeutlicht Crone das Problem.

 Wer in die Herborner Hauptstraße 2-4 kam, musste sich bis vor wenigen Monaten auf eine Wartezeit von sechs bis acht Wochen einrichten, nur „absolute Notfälle“ konnten schnell mal dazwischengeschoben werden. Seit April nun kommt jeder innerhalb von 14 Tagen zum Erstgespräch, erst danach gibt es dann unterschiedlich lange Wartezeiten. „Am Anfang erschien mir noch jeder Fall sehr dringend“, erinnert sich Margitta Klein, die seit 23 Jahren die Anmeldung betreut. Mittlerweile hat sie ein Gespür für die Zwischentöne entwickelt und merkt, wann es den Menschen so schlecht geht, dass sie sofort einen Termin brauchen. Alle anderen Fälle werden zuvor ausführlich im Team besprochen.

Vor allem „entwicklungsspezifische Konflikte“, die den familiären Frieden stören, sind Anlass für den Besuch der Beratungsstelle. Doch auch Beziehungskonflikte innerhalb der Familien, der Bereich „Schule und Leistung“ und Partnerschaftsprobleme, Trennung oder Scheidung sorgen für volle Terminkalender der Berater. Diplom-Psychologin Dagmara Polednik, Pfarrer Jörg Moxter und die Sozialpädagoginnen Margit Weismüller, Margitta Klein und Ulrike Rohm arbeiten dabei eng zusammen, obwohl jeder seinen eigenen Zuständigkeitsbereich bereut: „Oft werden die Kinder in Paarkonflikte hineingezogen“, weiß Rohm, die seit fast 24 Jahren in der Beratungsstelle arbeitet und für Familien in Trennungssituationen verantwortlich ist. „In den seltensten Fällen haben die Eltern die Trennung verarbeitet, das kann dann übergehen in Erwachsenen-Einzelberatung“, sagt sie.

Bei den Kindern müssen die Sozial-Pädagoginnen zuerst einen Kontakt aufbauen, bevor sie sich Schulproblemen, Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten widmen können, die nur allzu oft mit tiefsitzenden Kränkungen verbunden sind. Oft fehlt den jungen Klienten jedes Selbstwertgefühl, berichtet Margit Weismüller. Da könne oft schon die Mitgliedschaft in einem Verein oder einer Jugendgruppe Wunder wirken, weiß sie. Meist laufen parallel Elterngespräche. „Da können wir uns nicht nur auf das Negative konzentrieren, sondern versuchen das Positive zu sehen“, sagt Weismüller. Ähnlich arbeit auch Moxter in der Eheberatung: „Ich will da keinen Einfluss nehmen, sondern mit dem Paar klären, was für sie das Beste ist, wo ihr Bedürfnisse liegen“. Das müsse keineswegs zwangsläufig in eine Trennung münden : „Ich will ver-stören, nicht zerstören“, sagt der Pfarrer.

Die Klienten stammen aus dem Gebiet zwischen Burbach im Norden, Gladenbach und Biedenkopf im Osten, Ehringshausen im Süden und Driedorf im Westen, ein Viertel kommt direkt aus dem Herborner Umland, etwa 65 Prozent aus dem Bereich des Lahn-Dill-Kreises und rund zehn Prozent aus den Nachbarkreisen.

345 000 Euro hat die Beratungsstelle im vergangenen Jahr gekostet, 52 Prozent davon hat die EKHN getragen, 22 Prozent der Lahn-Dill-Kreis und jeweils 13 Prozent die Stiftung und – letztmalig – das Land Hessen. „Ein Viertel der Beratungslandschaft wird durch die Koch´schen Streichungen liquidiert“, schätzt Crone. Noch 2005 müssten verbindliche und akzeptable Finanzierungsmodelle gefunden werden, sonst drohen Entlassungen. Schon im kommenden Jahr „wird es ganz, ganz eng“, sagt er, „und 2006 stellt sich für uns dann die Gretchenfrage“, da Mittel der Stiftung „FAMILIE LEBEN“ dann erschöpft seien. „Entweder Klarheit oder Aus“, heißt das für ihn: Er will keine „Hängepartie“.

Rund 45 000 Euro hat die Stiftung „FAMILIE LEBEN“ aus ihrem Stiftungskapital für dieses Jahr bereitgestellt und versucht, die Zukunft der Beratungsstelle wenigstens teilweise durch weitere Spenden zu sichern. Dazu nutzt sie auch ein ebenso professionelles wie originelles Fundraising-Konzept – so hat die Stiftung beispielsweise bei Ebay einen von der Deutschen Bundesbank gespendeten Koffer mit Geldschnipseln aus 300 000 Mark versteigert. Unter anderem soll auch Bannerwerbung im Internet die Arbeit von „FAMILIE LEBEN“ und der Beratungsstelle bekannter machen: „Durch klare Profilierung der Leistung und einen erkennbaren regionalen Bezug erhoffen wir uns eine Steigerung der Erfolgschancen“, sagt Nieke Arendt von der Stiftung dazu. Doch ein steigender Bekanntheitsgrad heißt neben erhöhtem Spendenaufkommen zugleich und vor allem auch mehr Zulauf in der Beratungsstelle.

Dass die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau – das Dekanat Herborn ist Träger der Einrich- tung – neben ihrem bisherigen und bislang stabilen Einsatz zusätzlich für die gestrichenen Landes- mittel einspringt, sei angesichts des drastischen Sparkurses der Kirche nicht vorstellbar, sagt Pfarrerin Dr. Christiane Tönges-Braungart, Vorstandsmitglied der Stiftung „FAMILIE LEBEN“. Letztlich sei das auch nicht die Aufgabe der Kirche, sondern der öffentlichen Hand, meint sie. Auch Crone möchte vor allem von politischer Seite mehr Unterstützung: „Der Lahn-Dill-Kreis wird Farbe bekennen müssen“, sagt er.

Herborn/Dillenburg (klk), von Klaus Kordesch.

Einen großen Benefiz-Gala-Ball haben die vier Serviceclubs „Ladies Circle LC20 Dillenburg“ und die Lions Clubs Dillenburg, Dillenburg-Oranien und Herborn zugunsten der Herborner Erziehungsberatungsstelle Ende Februar ausgerichtet. 5000 Euro haben die Wohltäter dabei erwirtschaften können. Gestern (FREITAG) übergaben die Präsidenten einen Scheck über die Summe an Dr. Christiane Braungart vom Vorstand der Stiftung „FAMILIE LEBEN“ und ließen sich von Beratungsstellen-Leiter Dirk Crone über die aktuelle Situation informieren.

„Es war ein wunderschöner Ball“, erinnerte sich Crone an den feierlichen „XXL-Ball“ mit „Hessischem Buffet“ und großer Tombola im Festsaal der Rehbergparkklinik. Und während die Veranstalter anfangs leicht skeptisch über die zu erwartende Resonanz waren, zeigten sie sich bei der Spendenübergabe in ihrem Konzept bestätigt: „Der Erfolg hat uns recht gegeben“, freute sich Eckhard Blöcher als Präsident des Lions Clubs Herborn zusammen mit „Ladies Circle“-Präsidentin Andrea Pfeiffer-Haats und Michael Siegel, Präsident des Lions Clubs Dillenburg. Und auch Amtskollege Eckhard Schleifenbaum vom Lions Club Dillenburg-Oranien konnte berichten, dass die Unterstützung des Projekts „vor Ort“ auf volle Zustimmung gestoßen sei: „Da ist die Notwendigkeit bekannt und da wird die Hilfe begrüßt“, berichtete er. Blöcher kündigte nach dem gelungenen Start die Neuauflage des Festballs für den 25. März kommenden Jahres an. Der Erlös soll wiederum der eigens für die Unterstützung der Einrichtung gegründeten Stiftung zugute kommen, deren Mittel das Überleben der seit über 30 Jahren bestehende „Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche“ des Evangelischen Dekanats Herborn sichern.

Dabei muss die Beratungsstelle den Wegfall des Landeszuschusses in Höhe von 40 000 Euro pro Jahr verkraften und hat deshalb bereits eine halbe Stelle in der Partnerschafts- und Eheberatung einsparen müssen – obwohl der Beratungsbedarf eher steigend sei, wie Crone berichtete. Er erklärte den Präsidenten von einer Rahmenvereinbarung, derzufolge die Beratungsstellen im Lahn-Dill-Kreis künftig fachlich zusammenarbeiten und stärker vernetzt werden sollten. Das Konzept sei kürzlich vom zuständigen Fachausschuss Jugendhilfe befürwortet worden und müsse nun noch im Kreisausschuss und im Kreistag beraten werden. Für die Beratungsstelle bedeute dies einen Wandel in der Fallarbeit, kündigte Crone an: Es werde im kommenden Jahr mehr Gruppenarbeiten geben und verstärkt Wert auf präventive Veranstaltungen gelegt, beispielsweise Vorträge und Seminare zu Erziehungsthemen und den Bereichen Ehe, Partnerschaft, Trennung und Scheidungskinder.

Die Stiftung habe im vergangenen Jahr durch Fundraising- und Sponsoringaktionen etwa 25 000 Euro für die Arbeit der Beratungsstelle aufbringen können, sagte Crone den Präsidenten. Im laufenden Jahr hoffe man auf eine Steigerung auf 30 000 Euro. Demnächst sollten Flyer und Spendendosen verteilt werden, außerdem werde derzeit eine Sachspenden-Versteigerung und eine kulturelle Veranstaltung vorbereitet, kündigte er an.




Große Spende, großer Scheck: Dr. Christiane Braungart, Dirk Crone (rechts) und Michael Tönges-Braungart (2.v.l.) haben gestern von (v.l.) Eckhard Blöcher, Andrea Pfeiffer-Haats, Michael Siegel und Eckhard Schleifenbaum 5000 Euro übergeben bekommen. Die vier Serviceclubs aus Dillenburg und Herborn haben das Geld mit ihrer Benefiz-„XXL-Gala“ Ende Februar erwirtschaftet. (Foto: Klaus Kordesch)

 

Herborn, 21.02.2007 (klk): von Klaus Kordesch

5.000 Euro aus dem Erlös des Lions-Golfturniers vom vergangenen September haben die Lions-Clubs “Dillenburg-Oranien”, “Dillenburg-Schlossberg” und Herborn an die Erziehungsberatungsstelle in Herborn übergeben. Karl-Heinz Ruhs als Präses des evangelischen Dekanats Herborn und Einrichtungsleiter Dirk Crone dankten den Spendern und erklärten den Vertretern des Serviceclubs die neuen Angebote der Beratungsstelle.

Der Beratungsbedarf für Familien, Eltern, Kinder, Jugendliche und Paare sei so groß wie nie und wachse jährlich, erklärte Crone. “Beziehungsprobleme nehmen immer stärker zu”, berichtete der Leiter der Einrichtung. Mittlerweile werde rund ein Drittel aller geschlossenen Ehen wieder geschieden, in Städten liege die Rate schon bei etwas 40 PRozent, sagte er. Aus unterschiedlichsten Gründen - vor aber allem wegen der beschränkten Kapazitäten - könnten viele die anonyme und kostenfreie Beratung gar nicht nutzen. Als Alternative sei die Beratung übers Internet von der Bundeskonferenz der Erziehungsberatungen ins Leben gerufen worden, die von 150 000 Nutzern im Jahr frequentiert werde. “Ein solcher Umfang ist bei einer persönlichen Beratungszeit von zwei Prozent überhaupt nicht zu leisten”, bedauerte Crone. Das jährliche Budget der Beratungsstelle betrage rund 320 000 Euro, erklärte Präses Ruhs den Gästen Klaus-Achim Wendel (Präsident des Lions Clubs “Dillenburg-Schlossberg”), Dr. Hinrich Schade (Past-Präsident des Lions-Clubs Herborn. Davon würden etwa 200 000 Euro aus Kirchenmitteln und 113 000 Euro vom Lahn-Dill-Kreis abgedeckt, sagte Ruhs. Der Rest müsse durch Spenden aufgebracht werden.

Der Präses dankte den Lions-Clubs aus Dillenburg und Herborn, die schon einige Jahre lang erhebliche Beiträge für den Fortbestand der Beratungstelle geleistet hätten. Einrichtung ist nach Kürzung der Landesmittel auf Spenden angewiesen. Nachdem das Land Hessen das für die Herborner Beratungsstelle vorgesehen Budget vor einigen Jahren gekürzt habe, sei die Stiftung FAMILIE LEBEN gegründet worden, um den Fortbestand der Einrichtung zu gewährleisten, sagte Ruhs. Die Stiftung sammle die Spenden für die Arbeit der Beratungsstelle.

Stellvertretend für die drei an der Organisation des Golfturniers beteiligten Lions-Clubs “Dillenburg-Oranien”, “Dillenburg-Schlossberg” und Herborn derklärte der Präsident der Herborner Lions, Günther Pohl, den Charakter des traditionellen Golfturniers, das zuletzt Mitte September des Vorjahres auf dem Altscheid in Niederscheld stattgefunden hat. Erlöse aus diesem Turnier würden jedes Jahr an Hilfsorganisationen oder Hilfsbedürftige übergeben, so Pohl.

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